LC-Kultur: Ausflug zum Spycher Handwerk, Huttwil
Ausflug zum Spycher Handwerk, Huttwil, Mittwoch, 23. September 2026
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Eine schöne Anzahl von Damen und Herren traf sich am Mittwoch, 23. September 2026, im Bahnhof Luzern. Ziel war die Firma Spycher-Handwerk AG in Huttwil. Nach Kaffee und Gipfeli begrüsste Frau Alexandra Leuenberger um 10.30 Uhr die Gruppe für die bevorstehende Führung durch die Räumlichkeiten der Firma. Unterwegs sind wir dem Seniorchef der Firma, Herrn Hansueli Grädel, begegnet.
Seit mehr als 40 Jahren ist die Familie Grädel in Schwarzenbach/Huttwil, im Bereich der Wollverarbeitung, tätig. Mit seinen zehn Hektaren ist der Landwirtschaftsbetrieb ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens Spycher-Handwerk AG. Die vielen Schafe, Alpakas, Kamele und andere Tiere zeigen den Besuchern auf, wo die Wolle herkommt und wie sie wächst. Die Tiere geben einen wichtigen Bezug zum Rohstoff Wolle. Die Verarbeitung dieser Wolle kann in den angrenzenden Gebäuden direkt mitverfolgt werden.
Das Blumenstädtchen Huttwil liegt im Herzen der Schweiz, im Oberaargau, am Rand des Emmentals. Der traditionsreiche Familienbetrieb beschäftigt 50 Personen. Vom kleinen Wollverarbeiter hat sich der Betrieb zum führenden Woll-Unternehmen in der Schweiz entwickelt. Der Bauernhof «untere Bäch» ist in den letzten vier Jahrzehnten in eine Schaffarm umgewandelt worden. Der Hof ist ein richtiges «Wollparadies». Der Laden bietet zahlreiche Produkte an, die man mit dem Begriff «Wolle» in Verbindung bringt; sei dies fürs Handwerk, zum Schlafen oder zum Anziehen. Auf über 1’000m2 Ladenfläche werden Produkte wie Kleider, Wolle, Stoffe, Spinnräder, Webrahmen, Bastelmaterial, unzählige Felle, Duvets, Kissen, Bettauflagen und Kreatives präsentiert.
In den 1980er-Jahren war die Nachfrage nach kardierter Wolle sehr gross. Das bewog die Geschwister Grädel 1981 die Firma Spycher-Handwerk AG zu gründen. Sie kauften eine Kardier Maschine (Faseraufbereitungsmaschine für Wolle) und fingen mit dem Verkauf von Kardwolle, Kardier Geräten, Spinnrädern und Webrahmen an.
Nach bescheidenen Anfängen, mit dem Kauf von zwei Schafen im Jahr 1975, gibt es dort heute mittlerweile 200 verschiedene Sorten von Wollknäueln von verschiedenen Rassen wie dem Jakobsschaf, dem Gotland Schaf, dem Merinoschaf, aber auch von alten Tierarten wie dem Walliser Landschaf, dem Spiegelschaf, dem Skuddenschaf oder dem Engadinerschaf. Landwirt Hansueli Grädel entschied sich damals, ausschliesslich auf die Zucht von wollproduzierenden Tieren zu setzen. Die Schafe werden einmal im Jahr geschoren und geben pro Tier jährlich etwa 3 - 5 kg Wolle ab. In der Wäscherei werden jährlich vier Tonnen, bei Temperaturen von 60 bis 80 Grad, von Hand gereinigt und anschliessend gekardet (= gekämmt). Es gibt verschiedene Qualitäten von Wolle, wobei die Merinowolle als die hochwertigste gilt. In der Schweiz leben ca. 400'000 Schafe verschiedenster Rassen. Zum Tierbestand von Landwirt Grädel gehören mittlerweile auch Kamele, Alpakas, Lamas, Mohair- und Kaschmirziegen, Wollschweine, Hühner und Enten.
Bettwaren
Da sich ab 1985 der Spinnradverkauf eher rückläufig entwickelte, sah man sich nach anderen Verwendungszwecken für Wolle um. Aufgrund der guten Eigenschaften der Wolle hinsichtlich Wärme, Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe entschied man sich, aus der Schweizer Schafwolle Schurwollduvets, Bettauflagen und Kissen herzustellen. Das war ein Volltreffer! Dieser Bereich ist noch heute das wichtigste Standbein der Produktepalette. Viele Menschen sind durch den Gebrauch von Schurwollbettwaren so überzeugt, dass sie dies gerne weitersagen und so Werbung für das «Wunderprodukt» Wolle machen. Ca. 50 % der Wolle ist von hochwertiger Qualität und wird für Bettwaren oder Handarbeiten gebraucht. Der restliche Anteil von 50 % wird heute zu Isolationsmaterial oder Dünger weiterverarbeitet.
Kleider aus Wolle
Wenn man an Wollkleider denkt, sind das häufig als erstes Wollpullover, handgestrickte Socken oder allenfalls noch warme Unterwäsche. Lange bestand das Sortiment der Spycher-Handwerk AG hauptsächlich aus Unterwäsche. Dies änderte sich ab den frühen 2000er-Jahren. Heute hat der Betrieb das breiteste Angebot an Bekleidung aus Wolle in der Schweiz (T-Shirts, Unterwäsche, Pullover, Jacken oder Kleider). Das Angebot an Produkten wächst ständig. Es gibt auch einen Online-Shop.
Kurse
Vor Ort werden Kurse im Filzen, Spinnen, Nähen, Sticken und Weben angeboten. Die Kunden sollen nicht nur das Produkt kaufen, sondern auch die Möglichkeit haben, den Umgang damit zu lernen. In diversen Kursen mit den verschiedensten Kursleiterinnen konnte so schon vielen Teilnehmern die Freude am Arbeiten mit Wolle vermittelt werden.
Möchte jemand preisgünstig übernachten, Romantik verspüren und das einfache Leben in der Natur geniessen? Dann ist die original mongolische Jurte genau das Richtige. Es werden Übernachtungen für Paare, Gruppen oder Familien angeboten. Es gibt Jurten in verschiedenen Grössen, betrieben jeweils von April bis Oktober.
Nach der Besichtigung der verschiedenen Bereiche wurde im betriebseigenen Bistro ein einfaches aber feines Mittagessen serviert. Anschliessend genossen wir die freie Zeit zum Einkaufen. Um 15 Uhr nahm die Gruppe Abschied vom Wollparadies und begab sich zu Fuss zum Bahnhof Huttwil. Kurz vor fünf Uhr waren die Teilnehmenden wieder am Ausgangsbahnhof Luzern. Der Ausflug nach Huttwil hat allen Teilnehmenden sehr gut gefallen, und die gekauften Artikel werden bestimmt noch lange an diesen abwechslungsreichen, anregenden Besuchstag in Huttwil erinnern.
Vielen Dank an Beat Naegeli und Paul Schmid für die Planung und Durchführung des sehr interessanten Anlasses. Es war der letzte von den beiden Protagonisten organisierte Ausflug. Gianantonio Paravicini Bagliani und Walo Trüb werden ab 2027 die Gruppe LC-Kultur führen.
Liebe Sängerkameraden Beat und Paul, euch gebührt ein ganz herzliches Dankeschön und ein grosses Kompliment für die tollen Ausflüge und Besuche, welche ihr in den vergangenen Jahren perfekt geplant und durchgeführt habt.
Walo Trüb

